Artikel-Schlagworte: „Samy Deluxe“

<3 Samy Deluxe

Dienstag, 14. Juli 2009

Mittlerweise ein Klassiker: Die 100 Lines von Samy Deluxe auf dem Splash. Dieses mal in Form eines offenen Briefes an die “Liebe deutsche Rap Szene”. Ich weiß nicht, ob es überhaupt 100 Lines sind, aber bei über fünf Minuten Dauer, gehe ich mal davon aus, dass es dem recht nah kommt.

Auf jeden Fall -- wie immer -- sehr gut. Ob Freestyle oder nicht sei dahin gestellt. Sicher ist allerdings, dass der Text vielen, die (subjektiv) guten Hip-Hop mögen, aus der Seele spricht.

Zudem merkt man, dass Samy erwachsen geworden ist, viel nachdenkt und auch viel zu sagen hat.

Zum Schluß noch ein Zitat aus seinem Buch (, das ich mittlerweile zuende gelesen habe):

Manchmal denke ich, dass Deutschland bei der verzweifelten Suche nach dem Superstar lauter gute Bäcker, talentierte Maler, engagierte Mechaniker, Klemptner, Programmierer oder Lehrer verliert. Ich weiß, dass ich nicht backen kann, dass ich ein ziemlicher Computer-Loser bin und dass ich als Heimwerker kläglich versage. Ich bin also auf die Hilfe von Fachleuten angewiesen, die ich immer wieder bewundere, weil sie ohne Probleme meinen Abfluss frei bekommen, mein WLAN einrichten oder die leckersten Brötchen der Stadt herstellen. Was passiert, wenn die alle anfangen, Tanzunterricht oder Gesagsstunden zu nehmen, wenn sie nur noch an ihrem TV-Konzept basteln oder Gedichte schreiben?

vgl. Samy Deluxe -- Musik, um durch den Tag zu kommen

Dis wo ich herkomm

Mittwoch, 27. Mai 2009

Samy Deluxe - Dis wo ich herkomm

Samy Deluxe - Dis wo ich herkomm

Kurz nach dem tollen neuen Album von Samy Sorge Rapper Samy Deluxe ist nun (eigentlich erst am 2.6. aber Amazon war früher dran) auch sein erstes Buch erschienen. Wie auch das Album trägt es den Namen “Dis wo ich herkomm“.

Hiermit folgt er scheinbar dem aktuellen Trend vieler (halb-)promienenter (Ex-)Musiker, die aus Beschäftigungsmangel oder Zeitüberfluss (oder weil sie Geld brauchen und das Material für ein neues Album fehlt) ihre Lebensgeschichte niederschreiben.

Hierzu sollte ich eigentlich eine komplette Seite aus dem Buch zitieren, aber da ich zu faul bin sie abzuschreiben, hier ein paar kleine Auszüge:

[...] ich bin ein Rapper. Was soll ich denn für ein Buch schreiben? Möglich, dass ich zwischenzeitlich in einem Anfall von Größenwahn phantasiert habe, wie ich als gemachter Mann mit Zigarre im Mundwinkel auf der Veranda meiner Villa auf Hawaii sitze und irgendeinem Schreiberling meine Lebensgeschichte erzähle, die dann mit ein paar dazugedichteten Extras eine Bestsellerbiographie werden würde. Aber abgesehen von solchen Gedanken? Nein. Niemals. [...]

Ich hab doch nicht mal Abi. Darf ich überhaupt ein Buch schreiben, geschweige denn veröffentlichen? [...]

Und nun habe ich also ein Buch geschrieben.
Was für ein Buch?
Auf jeden Fall ein ehrliches Buch. Meine Geschichte. Aber nicht in der eben erwähnten hawaiianischen Halbwahrheiten-Variante, sondern in meinen Worten. Eine Art Biographie, aber nicht einfach eine Aneinanderreihung von Fakten, Namen, Daten und Orten, sondern eine Analyse meiner eigenen Entwicklung, besonders im Bezug auf dieses Deutschland, in dem wir leben, ausgehend von Zitaten aus meinen Texten. Schon vor etwa einem Jahr, als das neue Album so gut wie fertig war, merkte ich, dass ich zu diesen Themen mehr zu sagen habe, als ich in Liedern unterbringen kann, ohne den Zeitrahmen zu sprengen – und nur noch fünfzehnminütige Songs wären anstrengend.

Ich bin zwar erst auf Seite 17, aber bis dahin muss ich sagen: Ich bin positiv überrascht, wie interessant ich Samys Mix aus Erzählung, Analyse und Biografie finde.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nie “so eine blöde Biografie” eines Promis, der Angst davor hat aus den Schlagzeilen zu verschwinden, zu kaufen. Auch als ich zum ersten mal mitbekommen habe, dass noch ein Rapper ein Buch veröffentlichen will, dachte ich erstmal nichts Gutes darüber.

Doch während ich mich zum (damals) kommenden Album von Samy informiert habe, bin ich auf so mache Information zum gleichnamigen Buch gestoßen, die mich neugierig gemacht hat. Ich wollte wissen, ob er es wirklich schafft, keine langweilige Autobiografie voller Geschichten, wie cool er sei und wie hart sein Weg zum Erfolg gewesen wäre, zu schreiben.

Ich erwartete also nicht viel von dem Buch und vielleicht bin ich auch gerade deswegen positiv überrascht.

Allerdings würde ich trotzdem niemandem zum Kauf raten, der kein Interesse an Werdegang und Weltanschauung von (dem erwachsen gewordenen) Samy Deluxe hat.

Für alle anderen könnte es durchaus interessant sein, wie der junge, dauerbreite und Deutschland hassende Rapper, zu einem erwachsenen Mann geworden ist, der über die Welt, ihre Zukunft und die Gründe warum alles so ist, wie es ist, nachdenkt - und ein Buch darüber schreiben muss, weil er zu viel zu erzählen hat, um es in seinen Songs unterzubringen.