Wer hätte das gedacht? Der FC Bayern München schießt die von mir eben noch als einen der zwei Titelkandidaten bezeichneten Jungs von Manchester United aus der Champions League.
Ich muss gestehen: Ich nicht. Zumindest nicht vor dem Schlusspfiff des Hinspiels in München. Danach wurde ich etwas optimistischer und räumte Bayern zumindest eine 1:2 Chance ein. Und schon nach gut zwei Minuten ärgerte ich mich, dass meine Einschätzung der fußballerischen Qualität der Engländer korrekt zu sein schien. Nur rund fünf Minuten später machten die Bayern erneut klar, dass auch auf diesem hohen Fußball-Niveau nicht viel zu holen ist, wenn man im Kopf und mit dem Körper nicht so präsent ist, wie der Gegner.
Zugegeben (bzw. wie schon erwähnt): Manchester ist aktuell eines der Top-Teams der Welt. Aber ich hatte ein von Anfang an kampfbetontes Spiel der Münchner erwartet. Mit zwei Sechsern Schweinsteiger und van Bommel, die alles was sie haben zwischen den Ball und den Gegner werfen und so ihr Team mitreißen. Doch der Bayern-Kapitän kam mir zeitweise verzweifelt und sich selbst wahrscheinlich im Stich gelassen vor. Und ich will nicht wissen, was im Kopf des immer kämpfenden, rackernden und laufenden Ivica Olić vorging, wenn er sich hat anschauen müssen, was seine 9 Feldspieler-Kollegen da peinliches geboten haben. Kurzum: Die erste Halbzeit war (bis auf das Tor von Olić) aus deutscher Sicht unterirdisch und enttäuschend, fast schon lächerlich. Klar: Badstuber kann sich mal von Valencia oder so ausdribbeln lassen — selbst Lahm muss man es zugestehen gegen solche Weltklassetechniker den Kürzeren zu ziehen.
Überhaupt, wohl keiner hatte erwartet, dass die Bayern alle Zweikämpfe für sich entscheiden würden. Aber mit Kampf habe ich gerechnet! Leider musste ich bis zur zweiten Halbzeit warten um diesen zu sehen. Aber das Warten hat sich dann auch gelohnt: Bayern machte erneut — und dieses Mal sogar im fremden Stadion — klar, dass sie in der Lage sind, eine Weltklassemannschaft wie Manchester United in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Und das schiebe ich nicht einmal auf die gelb-rote Karte gegen Rafael. Auch davor waren die Bayern, die wie ausgewechselt aus der Kabine kamen, überlegen. Man hätte sogar auf den Gedanken kommen können, dass sie in den ersten 40 Minuten ihre Kräfte schonen wollten, um zu gewährleisten, dass ManU gegen Ende der Partie nicht mehr genug Energie hat, noch ein Offensivfeuerwerk wie damals abzubrennen.
Highlight des Abends dann definitiv DAS Tor. Eine Bilderbuch-Flanke von Frank Ribéry exakt auf den linken Fuß von Arjen Robben, der den Ball mit vollem Risiko und voller Wucht, unhaltbar für van der Saar, ins lange Eck befördert. Weltklasse!
Zum Schluss noch ein Zitat, gewidmet dem Spieler, bei dem sich der FCB bedanken darf, dass zum Pausenpfiff überhaupt noch ein Funken Hoffnung da war:
“Der Wille ist da, der Kampfgeist ist da und die Leidenschaft”, stellte er [van Gaal] beeindruckt fest.
Sinnbildlich dafür steht wohl Ivica Olic. Der Kroate ist nicht der beste Fußballer, doch besticht er durch permanente Hartnäckigkeit und Lauffreude. Damit erarbeitet er sich seinen Erfolg.
von Sport 1: “Im positiven Sinne grenzwertig”
Schlagworte: Champions League, Fußball, München