Wacken Open Air 2010

12. August 2010

Nur noch 358 Tage, dann geht es wieder los. Hoffentlich auch für mich, denn auch mein drittes WACKÖÖÖÖN war toll.

Anreise war dieses Jahr schon Dienstagmittag und so blieb uns noch ein kompletter Tag, um uns zu akklimatisieren bevor die ersten Bands spielten.

Am Mittwoch war dann endlich alles aufgebaut und so konnten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück in Ruhe das “Holy Wacken Land” anschauen. Dann, um 20:00 Uhr ging es los. Eine der berühmtesten Feuerwehrkapellen der Welt eröffnete das 21. Wacken Open Air: Die W:O:A Firefighters. Nach ein paar Liedern ging es dann auch direkt weiter zur Wackinger Stage, wo Fiddler’s Green ein bisschen irischen Folk-Rock zum Besten gaben. Letzte Band des Abends für uns waren die Absolventen der Royal Scottish Academy of Music and Drama und Sieger des BBC-Talentwettbewerbs “When Will I Be Famous” Red Hot Chilli Pipers, die sich sehr über die vielen feiernden Zuschauer freuten (Blogeintrag der Pipers zum Auftritt in Wacken).

Der Donnerstag startete mit einer geheimnisvollen Secret Show auf dem Red Bull Tour Bus, bei der wir Apocalyptica erwarteten, da die auf den Plakaten und Shirts auftauchten, aber in keiner Running Order zu finden waren. Und so war es dann auch. Sie spielten fast eine Stunde lang einen bunten Mix aus bekannten, alten Liedern und Stücken vom kommenden Album. Auf jeden Fall ein gelungener Start in den ersten wirklich echten Festival-Tag.

Der “offizielle” Opener Skyline (natürlich wieder inklusive Special Guests) — die erste Band auf einer der richtig großen Bühnen — startete kurz darauf um 16:00 Uhr. Doch das gleich richtig: Mit, unter anderem, Doro und Udo Dirkschneider (U.D.O., Accept) rockten die Herren fortgeschrittenen Alters ordentlich.

Nächste Band unseres Interesses war Svartsot um 17:00 Uhr auf der kleinen Wackinger Stage. Doch leider konnten wir nicht ganz bis zum Ende bleiben, denn direkt danach ging um 18:00 Uhr die “Night To Remember” los. Und zwar mit keinem geringeren als Alice Cooper, der sofort mal “School ‘s out” raus haute. Auch den Rest der der 90 Minütigen Show war kurze Weile angesagt. Sowohl musikalisch als auch was die Performance angeht macht dem alten Schock-Rocker so schnell keiner was vor.

Alice Cooper auf dem W:O:A 2010

Weiter ging’s dann mit Mötley Crüe, denen wir jedoch nur von der Seite aus zusahen, damit wir unseren Platz für DEN Headliner nicht verlieren. Denn um 21:30 Uhr war es endlich so weit; das Warten hatte ein Ende: Iron Maiden rockte die 75000 Metalheads. Leider waren selbst die zwei Stunden Spieldauer zu kurz um alle Klassiker zu spielen. Aber nichtsdestotrotz war es ein geniales Konzert und ein toller Abschluss der Night To Remember 2010.

Auch am Freitag wollten wir wieder das volle Programm wahrnehmen, zuerst stand um 11:45 Uhr frühmorgens Amorphis auf dem Plan. In Kombination mit dem reichhaltigen Frühstück gleich ein ordentlicher Muntermacher. Danach ging es in den Schatten des Bierstands zur interessanten Band Orphaned Land, um etwas auszuruhen und vor Hackneyed im Zelt ordentlich Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Die Nachwuchs-Death-Metaler (Durchschnittsalter 17 Jahre) stehen den Großen in nichts nach und screamten, growlten und knüppelten was das Zeug hielt. An dieser Stelle noch kurz Werbung für eine sympathische Truppe aus Niedersachsen: Die Wreckingcrew Knesebeck.

Direkt im Anschluss ging es zurück in den Schatten, von wo aus wir die apokalyptischen Reiter anschauten. Danach war kurze Pause, was Bands anging. Wir hörten noch kurz von der Seite Kamelot zu, bevor um 20:30 Uhr Angela Gossow von Arch Enemy losbrüllte. Leider konnten wir nicht das komplette Konzert anhören, da es sich komplett mit Tarja (ehemalige Nightwish-Frontfrau) — inklusive Mike Terrana an den Drums — überschnitt. Persönliches Highlight des Tages war Tarja’s Performance des Nightwish-Hits Wishmaster. Ich hätte nicht damit gerechnet live noch einmal in den Genuss dieses Songs zu kommen. Großartig!

Ab diesem Zeitpunkt wurde der Tag richtig anstrengend, denn nun ging es los vor die kleine Wackinger Stage zu Equilibrium, die natürlich den gesamten Pagan-Metal-Fan-Teil der 75000 Rocker anzog. Dementsprechend “kuschelig” ging es im Bühnenbereich zu. Nach und nach erkämpften wir uns einen Platz von dem aus wir wenigstens einigermaßen bis zur Band sahen. Doch das hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Trotz neuem Sänger waren auch viele alte Songs in der Setlist, was mich sehr freute. Auch die Auswahl der Tracks des neuen Albums gefielen mir gut. Insgesamt für mich einer der Top-Auftritte des W:O:A 2010. Nach Equilibrium gleich das nächste Highlight (zwar nicht 100%-ig mein Geschmack aber definitiv ein Must-Have-Seen für jeden Wacken-Besucher): Trash-Metal-Kult-Band Slayer.

Auch der letzte Wacken-Tag startete einigermaßen früh. Erste Band auf der True Metal Stage war Caliban — Metalcore-Band aus dem Ruhrpott — um 13:15 Uhr. Nach dem darauf folgenden Mittagessen und auf der Wiese chillend Kampfar und Overkill lauschen, rockten die holländischen Melodic-Metaler Delain die Party Stage. Danach noch kurz bei W.A.S.P. vorbei geschaut, bevor es zu Varg ins Zelt ging. Sowohl wir Zuschauer/-hörer als auch die Band hatten enorm viel Spaß und das konnte man allen Beteiligten auch anmerken. Schön war’s! Allerdings auch kräftezehrend. Doch was tut man nicht alles um möglichst viele tolle Bands zu sehen.

Nach einer knappen Viertelstunde Pause spielten Cannibal Corpse. Doch da es nicht so richtig unseren Geschmack traf, ging es schon sehr pünktlich weiter in Richtung Wackinger Stage, wo die Färinger (so heißen die Einwohner der Färöer-Inseln) von Tyr ihr kleines Land ordentlich repräsentierten. Kurz vor Ende der Show mussten wir dann erneut die Location wechseln. Dieses mal in hin zur True Metal Stage, um einmal mehr Tobi Sammet und seinen Mannen von Edguy zuzuschauen. Die Setlist warfür meinen Geschmack zu sehr auf die neuen Lieder ausgerichtet aber es war trotzdem ganz nett die Power-Metaler nach dem W:O:A 2005 mal wieder live zu sehen.

Das war es dann auch schon fast mit dem Wacken Open Air 2010, da wir in der Nacht noch abreisen mussten (Danke, Deutsche Bahn! — aber das ist eine andere Geschichte). Letzte Band für dieses Jahr und somit sowieso schon Highlight die hochgelobten Orden Ogan. Leider nur auf der Wackinger Stage, was zur Folge hatte, dass es wieder recht eng wurde. Aber die Jungs lieferten eine tolle Show ab und schienen begeistert ob der begeisterten Crowd. Sehr toll war das Recording eines Live-Tracks und natürlich DER Orden-Ogan-Song “We’re Pirates” mit Ex-Running-Wild-Gitarrist Majk Moti und einem Gast-Sänger, dessen Namen ich mir nicht merken konnte. Alles in Allem ein gelungener Auftritt zum Abschluss eines genialen Festivals!

Metalheads, see you in Wacken 2011 — rain or shine!

WM 2010: Fazit

21. Juli 2010

WM PokalEigentlich wollte ich schon vor der Endphase der Weltmeisterschaft ein kurzes Zwischenfazit ziehen. Doch irgendwie fehlten mir (vielleicht auch weil die WM noch in vollem Gange war) die Zeit und die Lust. Aber jetzt, nachdem leider alles zu Ende ist, komme ich endlich zu ein paar abschließenden Worten.

Kurz noch ein paar Sätze zur Vorrunde: Es waren auf jeden Fall viele — in meinen Augen — unvorhergesehene Ergebnisse dabei. Außerdem mehr Torwartfehler, als ich von den letzten Weltmeisterschaften in Erinnerung habe (und das nicht wegen dem flatternden Ball!).

Meine Einschätzung, welche Teams die Vorrunde überstehen, war nur teilweise korrekt. Es gab doch die ein oder andere Überraschung. Dazu gehören sowohl die italienische Rentnermannschaft als auch die französischen Aufständler. Wer sich den Post zur Auslosung der Gruppen anschaut, wird sehen, dass ich im Grunde genommen recht oft daneben lag mit meinen Tipps (7/16 falsch).

Doch auch andere potenzielle Favoriten konnten in der Vorrunde nicht glänzen: Brasilien spielt Angshasenfußball, Spanien verliert gegen die Schweiz, England kommt ohne Biss daher und auch die Argentinier um den besten Fußballer der Welt und die Portugiesen mit Schönling C. Ronaldo können nicht wirklich überzeugen.

Zu Beginn der KO-Phase legte außer dem deutschen Team kein anderes wirklich zu. England blieb enttäuschend und Argentinien muss feststellen, dass nur individuelle Klasse und eine Kult-Figur als Trainer nicht für mehr als das Viertelfinale reichen. Die Spanier kamen ohne große Mühe aber mit dem nötigen Quäntchen Glück bis ins Halbfinale und zeigten ab dort meisterhaftes taktisches Verhalten gepaart mit hoher technischer Qualität. Weder eine ängstliche deutsche Mannschaft noch die verbissen kämpfenden Oranjes hatten einen Sieg gegen den neuen Weltmeister verdient. Die nicht erwähnten Teilnehmer der Endrunde hatten in meinen Augen nie eine realistische Chance auf den Titel. Lobend zu erwähnen sind natürlich noch die viertplatzierten Uruguayer, die durch viel Engagement und einen hervorragenden Diego Forlán (und einen reaktionsschnellen “Ersatztorwart” Suárez) die Erwartungen weit übertrafen.

Gratulation an dieser Stelle dem Weltmeister, dem jungen deutschen Team und dem Vizemeister Niederlande. Außerdem natürlich unserem Doppel-Titelträger Thomas Müller und auch dem Gastgeber Südafrika, der es geschafft hat, die erste WM in Afrika zu einer gelungenen Veranstaltung zu machen.

Zuletzt noch eine lobende Erwähnung des — für mich — most valuable Players (ich meine hiermit nicht den besten sondern den wichtigsten Spieler) der WM: Bastian Schweinsteiger. Ohne ihn wäre die deutsche Mannschaft wahrscheinlich nicht annähernd so stark gewesen, wie sie es war. Das soll die Leistung der anderen Spieler nicht schmälern, es haben (fast) alle besser gespielt, als ich es erwartet hätte.

Diego Forlán

Too much Matsch: Southside 2010

22. Juni 2010

Immer noch von leichten Nachwehen gezeichnet hier erst einmal nur ein ganz kurzer Beitrag zum Southside 2010:

Dem Southside drohte am Freitag bereits vor Beginn des Festivals aufgrund von Unbespielbarkeit des Platzes die Absage. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag regnete es über 80ml/qm [vermutlich ein Tippfehler, sollte wahrscheinlich eher 800ml/qm heißen] und nur ein immenses Aufgebot an Manpower, Eisenplatten, über 500 Kubikmetern Hackschnitzel und diverse LKW-Auflieger Stroh, sowie schweres technisches Gerät machten die erfolgreiche Durchführung aber glücklicherweise doch möglich. Die widrigen Wetterbedingungen taten der Stimmung keinen Abbruch: Die allgemeine Gemütslage war ausgezeichnet.

Dieses Zitat von der Southside-Page lässt schon vermuten, wie es in Neuhausen ob Eck am vergangenen Wochenende ausgesehen hat. Zur visuellen Unterstützung noch ein Foto von meinen Schuhen nach dem Weg vom Parkplatz zum Einlass am Freitag und eins vom Festival-Gelände heute Mittag beim Abbau.

Southside: Matsch-SchuheSouthside: Festival-Gelände

Abschließend ein vorläufiges Fazit: Trotz krassen äußeren Bedingungen war es wieder sehr toll! Highlights für mich waren vor allem die ersten Bands, die ich am Samstag- und Sonntagmittag gesehen habe (Samstag: Katzenjammer, LaBrassBanda und Enter Shikari, Sonntag: Skindred) sowie der unbestritten “Beste wo gibt” (Dendemann), die Beatsteaks und The Specials.

2010 = Erfolgsjahr?

1. Juni 2010

Lange war es still hier im Blog. Die Umzugs- und Einrichtungs-Phase in München ist jetzt fast zu Ende und ich habe endlich mal wieder Zeit für einen neuen Artikel. Und los geht’s…

Vorneweg: Ich lasse die Politik in diesem Artikel außen vor.

Foto: Lena Meyer-Landrut
Bildquelle: NDR/Rolf Klatt

Auf den ersten Blick sah es bis Samstagabend so aus, als ob das Jahr 2010 für Deutschland aus internationaler Sicht nicht sehr erfolgreich verläuft: Bei der Eishockey-WM im eigenen Land nur Vierter, das UEFA Europa League Finale in Hamburg verpasst, das UEFA Champions League Finale gegen die Italiener aus Mailand verloren und beim Eurovision Song Contest zwar hoch gehandelt aber doch nicht so richtig favorisiert.

Doch dann geschah, was sich viele erhofft aber nur wenige erwartet hatten: Kurz nach 00:00 Uhr bekommt Lena die entscheidenden Punkte (ich glaube es waren die vier aus Großbritannien), die die 19-jährige Abiturientin für die Konkurrenz uneinholbar machen. Deutschland hat einen internationalen Titel! Dieser mag zwar im allgemeinen Ansehen meilenweit hinter einem WM-Pokal stehen, aber was er uns Deutschen bedeutet, kann man an der Lena-Manie und der ausgelassenen Feier-Stimmung hierzulande gut erkennen.

Wir sind ausnahmsweise einmal wieder stolz auf unser Land. Die Euphorie am vergangenen Samstagabend erinnerte ein Wenig an die WM 2006. Eigentlich ein optimaler Auftakt für Südafrika in knapp zwei Wochen. Und für mich ein guter Grund, das Glas der internationalen Titel für Deutschland als halbvoll zu sehen: Ein vierter Platz bei der Eishockey-WM inkusive einem Sieg gegen die Übermannschaft der USA im Auftaktspiel vor 70000 Zuschauern, ein zweiter Platz in der Königsklasse des Fußballs für den FC Bayern mit dem weder ich noch 99% der Fußballexperten der Welt gerechnet haben. Auch das Abschneiden in der Europa League war doch eigentlich nicht so schlecht. Immerhin waren unter den letzten acht Teams im Wettbewerb drei Deutsche.

All das und natürlich Lenas Sieg in Oslo ist -- so finde ich -- sehr erfreulich und mehr, als ich erwartet hatte. Wenn das so weiter geht, wäre die Fortsetzung wohl die Fußball-Weltmeisterschaft. Doch momentan scheint die DFB-Elf eher vom Pech verfolgt. Fast schon wöchentlich fällt ein weiterer Spieler aus. Darunter durchaus auch Leistungsträger wie der Kapitän der Nationalmannschaft, der erste Torwart und der Kapitän des deutschen Vizemeisters. Dies macht Deutschland umso mehr zum Außenseiter. Selbst der Ersatz-Spielführer Lahm setzt sich und der Mannschaft das Halbfinale als Ziel. Auch ich halte diese Zielsetzung für realistisch und würde mich über alles, was über das Achtelfinale hinaus geht, freuen.

Doch wenn uns die vergangenen Monate eins gelehrt haben, dann: Nichts ist unmöglich! Wenn eine junge Frau aus Hannover auf einmal innerhalb weniger Wochen den Eurovision Song Contest gewinnt, wenn ein Verein mit -- im internationalen Vergleich -- bescheidenen Mitteln fast die Champions League gewinnt, wenn ein Land, das bei der Olympiade versagte, ein paar Monate später den Olympiasieger schlägt, dann kann man doch durchaus darauf hoffen, dass sowohl die Euphorie der Bevölkerung als auch das nötige Glück noch eine Weile bestehen bleiben und unserer Fußball-Nationalmannschaft dabei helfen, erneut über sich hinaus zu wachsen.

Ich bin in dieser Hinsicht zwar eher realistisch bis pessimistisch aber ich werde mein Möglichstes tun, um unser Team zu unterstützen! Auf ein erfolgreiches Jahr 2010!

Zum Abschluss noch ein passender Musik-Tipp:

Nein, ich bin weder Nationalist noch Rassist oder Nazi oder sonst etwas Rechtes! Wie schon oben erwähnt: Die Politik ist in diesem Artikel außen vor. Eigentlich schade, dass ich es für nötig halte, diese Sätze hier anzufügen, um zu vermeiden als rechtsradikal zu gelten.